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INDUSTRIELLE AUTOMATION 6/2022

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INDUSTRIELLE AUTOMATION 6/2022

5FRAGEN AN... …

5FRAGEN AN... … Dominik Bösl, CTO bei Micropsi Industries in Berlin Robotik und Künstliche Intelligenz werden unsere Welt verändern. Da ist sich Dominik Bösl, CTO von Micropsi Industries, sicher. Viele der neuen Technologien basieren auf großen Mengen von Daten. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, müssen daher Lösungen wie die Cloud all täglich werden. Mit Vertrauen und dem richtigen Mindset kann das gelingen, so Bösl. 01 SIE HABEN SICH DER DEMOKRATISIERUNG DER ROBOTIK VERSCHRIEBEN – MITTELS KÜNSTLICHER INTELLIGENZ (KI). WAS BEDEUTET DAS? Robotik und Automatisierung werden in der Zukunft unsere Lebenswelt durchdringen und sie bereichern – so wie es heute bereits IT-Technologien wie das Internet und Smartphones tun. Damit das geschehen kann, muss Robotik allerdings noch zugänglicher werden. Und genau hier kommt Künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel. KI entwickelt bisher hochspezialisierte, teure Robotik-Systeme weiter: Sie werden zu einfach bedienbaren, flexiblen Systemen, die eine ganz neue Bandbreite an Anwendungen übernehmen. Im Anschluss daran passiert das, was mit dem Computer bereits passiert ist: Die Zahl der Installationen steigt, die An wendungen werden mannigfaltiger, die Preise sinken. Plötzlich kann sich jeder Robotik leisten. Dank KI werden Roboter in der nahen Zukunft für ganz neue Anwendungen, Firmen und Märkte erschwinglich – und von der Industrie in unseren Alltag einziehen. 02 WAS GENAU MACHT IHR UNTERNEHMEN MICROPSI INDUSTRIES UND WOFÜR BRAUCHEN SIE CLOUD-TECHNOLOGIEN? Unsere Ambition: (Industrielle) Anwendungen automatisierbar machen, die vorher nicht zu automatisieren waren. Wir bringen Robotern Dinge bei, die vorher als unmöglich galten. Fast ein wenig wie Zauberei. Das machen wir allerdings ganz ohne Magie, sondern mit KI. Mit KI können wir Robotern einfach zeigen, was sie tun sollen, statt sie zu programmieren. Dafür wird der Roboter am Handgelenk durch den Bewegungsablauf geführt, während eine Kamera zuschaut. Diese Kamerabilder werden in die Cloud hochgeladen, wo sich die Künstliche Intelligenz anschließend für rund 45 Minuten selbst trainiert. Sobald dieser Vorgang abgeschlossen ist, ist der Roboter in der Lage, ganz neue Anwendungen auszuführen und in Echtzeit zu reagieren. Applika tionen wie das Kabelstecken, Pick-and-Place mit Varianzen oder die Leckageprüfung sind plötzlich kein Ding der Unmöglichkeit mehr. 40 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2022/06 www.industrielle-automation.net

03 VIELE DEUTSCHE MITTELSTÄNDLER SIND DER CLOUD GEGENÜBER SKEPTISCH EINGESTELLT. IST DAS GERECHTFERTIGT? Das Zauberwort heißt Transparenz. Technologien wie die Cloud, die auf unterschiedlichste Weise genutzt werden, müssen transparent erklärt werden, um das notwendige Vertrauen zu schaffen. Es gibt nicht einfach „die eine Cloud“. Wofür wird die Technologie im Einzelfall tatsächlich verwendet? Welcher Bedarf muss erfüllt werden? Bei uns ist es beispielsweise vollständig ungefährlich, die Cloud zu nutzen. Die Daten, die verschlüsselt übermittelt werden, verraten nichts – weder etwas über den Produktionsablauf noch über das Unternehmen. Doch wenn Technologien und ihr Nutzen nicht verständlich erklärt werden, fehlt ganz einfach das Vertrauen. Da haben wir in Deutschland eventuell noch Nachholbedarf. 04 WORIN LIEGEN DIE VORTEILE VON KI „MADE IN GERMANY“ UND WAS BRAUCHT ES, UM MIT DEN TECH-NATIONEN MITZUSPIELEN? In Europa stand der Anspruch an sichere Technologien schon immer im Vordergrund bei der Entwicklung. Europäischen und speziell deutschen Lösungen wird daher vertraut – vor allem innerhalb Europas aber auch international. Warum wir in Deutschland allerdings noch nicht an der Spitze des Wettbewerbs mitspielen, liegt vor allem am Mindset. Denn interessant ist, dass die akademischen Grundlagen für neue Technologien wie KI oft in Deutschland entstehen. Leider schaffen wir es nur nicht oft genug, unsere Forschung in Geschäftsmodelle zu transferieren. Andere Länder wie USA und China haben da deutlich mehr Mut. Es fehlt uns an einer gesunden Fehlerkultur. Wo Innovationen geschaffen und Start-ups gegründet werden sollen, da muss auch verziehen werden, wenn der erste Versuch nicht direkt Erfolg bringt. DIE FRAGEN STELLTE NICOLE STEINICKE, CHEFREDAKTEURIN INDUSTRIELLE AUTOMATION Bilder: Micropsi Industries www.micropsi-industries.com 05 WELCHEN RAT WÜRDEN SIE GERNE DER INDUSTRIE UND POLITIK MITGEBEN? Einerseits der Mut, eine gesunde Fehlerkultur stärker zu leben. Aber auch, aus seinen eigenen Fehlern zu lernen: Unsere Enkelkinder werden als die erste „Generation R” von „Robotic Natives” aufwachsen. Wir sind „Robotic Immigrants” – noch mit einem sehr analogen Hintergrund, aber wir werden Zeugen einer gewaltigen Disruption sein. Zuerst war es die Digitalisierung und jetzt wird es die Automatisierung sein. Um diese neuen Innovationen nicht zu verpassen und uns auf die Fortschritte in KI und Robotik vorzubereiten, müssen wir frühzeitig sinnvolle Strukturen und das richtige Mindset etablieren. Wir sollten Innovationen nicht durch Überregulierung verhindern, sondern ein Ökosystem schaffen, mit dem Technologie unser Leben verbessern kann. Dann können Robotik und KI ihr gesamtes Potenzial entfalten und die Welt verändern. Kurz erklärt Für die Verarbeitung der dafür erforderlichen Datenmenge ist eine Cloudbasierte Anwendung zwingend nötig. Künstliche Intelligenz und Clouddatenverarbeitung werden in Zukunft daher immer mehr an Relevanz gewinnen, werden in Deutschland besonders im Mittelstand jedoch nach wie vor mit Skepsis betrachtet und sind mit vielen Vorurteilen behaftet. www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2022/06 41