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INDUSTRIELLE AUTOMATION 4/2021

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INDUSTRIELLE AUTOMATION 4/2021

STEUERN UND ANTREIBEN

STEUERN UND ANTREIBEN Blick ins Detail Antriebstechnik für plastisches Strahlen ermöglicht der Bildgestaltung neue Wege 01 02 So unterschiedlich wie die Anwendungen sind auch die Anforderungen, die kleine DC-Motoren heute erfüllen müssen. Dabei kommt es bei der Auswahl eines passenden Antriebs keineswegs nur auf das benötigte Drehmoment oder die Drehzahl an. Und das gilt nicht nur für den Einsatz in der Industrie, sondern manchmal auch für künstlerische Projekte, wie die des britischen Fotografen Patrick Llewelyn-Davies. 03 Normalerweise ist beim Fotografieren die Blende für die Belichtung nur kurz geöffnet. Dieses „Knipsen“ haben die allermeisten Fotografien gemeinsam: Ob Smartphone-Selfie oder kunstvolles Profibild – der Auslöser hat das Licht nur für den Bruchteil einer Sekunde durch die Blende gelassen. Außer dieser Fotografietechnik gibt es aber auch eine lange Tradition der Lichtmalerei. Hier bleibt die Blende lange offen und bewegliche Lichter hinterlassen ihre Spuren auf dem Film beziehungsweise dem Bildsensor. Dabei können faszinierende Bilder und Ansichten entstehen. Ein bekanntes Beispiel sind etwa die roten und weißen Lichtstreifen von Scheinwerfern und Rücklichtern, die auf lange belichteten Bildern nächtlicher Autobahnen zu sehen sind. Der britische Fotograf Patrick Llewelyn- Davies schlägt nun die Brücke zwischen beiden Techniken. In seinen Bildern steht das ruhende Objekt im Mittelpunkt, das bewegliche Licht setzt er wie einen Stift zum Kolorieren ein. Nur dass seine Bilder nicht mit zusätzlicher Farbe versehen werden. Stattdessen bringt er die Objekte zum Glühen und Leuchten (Bild 02). Sein Einsatz des Lichts lässt zudem neue und manchmal fast röntgenartige Einblicke in die fotografierten Gegenstände entstehen. Sie bekommen eine nahezu dreidimensionale Plastizität, obwohl sie optisch die 2D-Welt nicht verlassen. Das Geheimnis dieser lichtgemalten Stillleben ist eine elektromechanische Vorrichtung (Bild 01), die mit „Light Revolution System“ einen gleich im doppelten Sinne den passenden Namen trägt: „Revolution“ bedeutet hier sowohl Umdrehung als auch grundlegende Erneuerung. Zwei intensiv strahlende LED-Leuchten umlaufen auf einer Kreisbahn einen runden Tisch, auf dem das jeweilige Objekt platziert ist. In der Regel dauert es sechs Sekunden, bis sie ihre Runde gedreht haben. Die Zeit lässt sich jedoch variieren, je nach dem angestrebten Lichteffekt. Alles dreht sich ums Motiv Das System kann aber noch mehr, denn die Leuchten sind an zwei Armen befestigt, die mit der rotierenden zentralen Achse verbunden sind. Sie lassen sich damit in der Höhe verstellen; dadurch sind unterschiedliche Einstrahlwinkel möglich. Diese Anordnung erfordert auf den ersten Blick keine spektakuläre Technik, doch im Detail kommt es auf höchste Präzision und ruhigsten Gleichlauf an. „Jedes noch so kurze Stocken oder Ruckeln in der Rotation würde zu einer ungleichmäßigen Ausleuchtung führen,“ erklärt Patrick Llewelyn-Davies. „Es gäbe hellere und dunklere Stellen, die den beabsichtigten Effekt beeinträchtigen oder Dipl.-Ing. (BA) Andreas Seegen, Leiter Marketing bei DR. FRITZ FAULHABER GmbH & Co. KG in Schönaich; Ellen-Christine Reiff, M.A., Redaktionsbüro Stutensee 18 INDUSTRIELLE AUTOMATION 04/2021 www.industrielle-automation.net

STEUERN UND ANTREIBEN verhindern würden. Das gleiche gilt für das Abfahren des vollständigen Kreises. Die Arme dürfen nicht einen Grad mehr oder weniger als 360° absolvieren und das exakt in der vorgegebenen Zeit.“ Eine Herausforderung ist es, die Zentralachse des Systems sowohl ruckfrei als auch sehr genau zu bewegen. Dabei sollte das Gerät gleichzeitig für den mobilen Einsatz so leicht wie möglich bleiben. Bei der Auswahl des passenden Antriebs haben die Experten des britischen Faulhaber Vertriebspartners EMS geholfen. „Sie haben die nötige technische Expertise für den Antrieb und die Steuerung eingebracht. Zudem haben sich Motoren von Faulhaber in hochkritischen Bereichen wie der Luft- und Raumfahrt bewährt. So wusste ich, dass sie die Genauigkeit und Zuverlässigkeit mitbringen würden, die das Light Revolution System benötigt“, erzählt Patrick Llewelyn-Davies.“ DC-Servomotoren: leicht, kompakt und flexibel Die Experten von EMS haben die bürstenlosen Motoren der Serie BX4 als die optimale Lösung identifiziert (Bild 03). Mit ihnen ließen sich die gewünschte Präzision und Wiederholbarkeit des Ablaufs sicherstellen. „Nachdem wir uns für eine Motorfamilie entschieden hatten, konnten wir verschiedene Größen ausprobieren, ohne in die Programmierung einzugreifen“, erzählt Dave Walsha, Vertriebsingenieur bei EMS, von der gemeinsamen Entwicklungsarbeit. „Damit ließ sich sehr flexibel auf Veränderungen am System reagieren.“ Dank der kompakten und leichten Bauweise der BX4-Motoren wurde auch das „Idealgewicht“ eingehalten. Die bürstenlosen DC-Servomotoren in 4-Pol-Technologie liefern Drehmomente bis 96 mNm bei ruhigen und rastmomentfreien Laufeigenschaften und niedrigem Geräuschpegel. Die integrierten Hall-Sensoren geben ein präzises Positionssignal an die Steuerung und bilden damit die Grundlage für exakt reproduzierbare Bewegungsabläufe. Detaillierte 3D-Modelle Der Fotograf Patrick Llewelyn- Davies hat sein Light Revolution System natürlich selbst ausgiebig getestet. In seiner Online-Galerie (www.light-revolution.com) kann man Beispiele für die einzigartigen Lichteffekte bewundern, die er damit erzielt hat. Das „Glühen“, das er unscheinbaren Alltagsgegenständen wie einem Hühnerei, einer Schere oder einem Angelhaken entlockt, entsteht, indem man die kreisenden LED- Lampen sehr tief über dem Tisch platziert. Das System wird derzeit in verschiedenen Einsatzbereichen erprobt. Statt der Leuchten kann auch eine Kamera auf einem der Arme angebracht werden. Ist sie an einem kreisbogenförmigen Arm befestigt, kann das Objekt bei gleichbleibendem Abstand aus unterschiedlichen Winkeln fotografiert werden. Das nutzen zum Beispiel Museen, um aus Bilddaten hochauflösende 3D- Modelle ihrer wertvollen Objekte zu berechnen. Diese Daten können Forscher dann weltweit untereinander austauschen und für ihre Studien nutzen. Mittels 3D- Druck lassen sich zudem präzise Repliken herstellen. „Bisher waren solche Aufnahmen mit einem großen Aufwand für die Einstellung in Handarbeit verbunden“, berichtet Patrick Llewelyn-Davies. „Mit dem Light Revolution System lässt sich der Ablauf jetzt weitgehend automatisieren und dadurch enorm beschleunigen.“ Bilder: 01 - 02 Light Revolution, 03 Faulhaber www.faulhaber.com

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