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INDUSTRIELLE AUTOMATION 2/2021

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INDUSTRIELLE AUTOMATION 2/2021

HANNOVER MESSE DIGITAL

HANNOVER MESSE DIGITAL EDITION 2021 TITELSTORY 01 Harald Wessels, Vice President Product Management, Pilz 02 Florian Rotzinger, Product Management Steuerungen, Pilz Herr Wessels, mit ihrer Entwicklung myPNOZ sprechen Sie von einem Meilenstein für die sichere Automatisierung. Was genau ist das Besondere daran? Sie haben das Onlinetool erwähnt. Ist damit für den Anwender nicht erst einmal Mehrarbeit verbunden? Oder worin genau liegt der Nutzen? Harald Wessels: Wir haben für unser neues Sicherheitsschaltgerät einen komplett neuartigen Prozess von der Erstellung über die Bestellung und Lieferung aufgesetzt: Über unser Onlinetool myPNOZ Creator „kreieren“ Kunden ihr Sicherheitsschaltgerät. Sie können weltweit und erstmals in diesem Bereich ihr Produkt selbst zusammenstellen und erhalten es vormontiert und einbaufertig in Losgröße 1. Etwas ketzerisch gefragt: Woher wissen Sie, dass die Industrie genau darauf gewartet hat? Harald Wessels: Das Interesse an maßgeschneiderten individuellen Produkten gibt es im Consumer-Bereich ja schon lange, beispielsweise für Müsli oder Turnschuhe. Die Einstellung am Markt zu individualisierten Produkten hat sich in den letzten Jahren zwar nicht grundlegend verändert, aber deutlich geschärft: Wir haben immer klarer gesehen, was wichtig ist und wie wir das Thema Losgröße 1 für den Kunden optimal umsetzen können. Unser Ziel war es, Kundenindividualisierung auch in den B2B-Bereich zu überführen. Durch Rückmeldungen aus Kundengesprächen, also dem Markt, haben wir überdies früh erkannt, dass bei myPNOZ die Applikation im Vordergrund stehen sollte: Wie können wir für die vielfältigen Anwendungen, in denen Sicherheitsschaltgeräte zum Einsatz kommen, eine optimale generische Lösung bieten? Deshalb haben wir unsere vielfältigen Erfahrungen aus der Praxis einbezogen. Dabei ging es nicht nur um den Einsatz an der fertigen Maschine, sondern darum, wie der Kunde im ganzen Prozess von der Maschinenentwicklung über die Inbetriebnahme bis hin zum Betrieb beim Endkunden von myPNOZ profitieren kann. Harald Wessels: Für den Anwender ist das Tool auf jeden Fall intuitiv, denn der myPNOZ Creator unterstützt ihn bei der Übersetzung seiner Logik. Der Anwender legt die Anzahl, Art und Logik der Sicherheitsfunktionen zueinander fest und folgt einem transparenten Ablauf. Je nachdem, welche Sicherheitsanforderung er hat, verschaltet er zum Beispiel Not-Halt, Schutztürsensoren oder Lichtgitter mit logischen UND-/ ODER-Verknüpfungen. Dabei müssen Anwender nur beachten, dass am Ende jeder Sicherheitszone wenigstens ein Ausgang platziert werden muss. Den kann der Anwender im myPNOZ Creator einfach hinzufügen. Das Onlinetool zeigt Logikfehler in der Abfolge der Sicherheitsfunktionen über ein Symbol an. Anwender können auch direkt die erstellte Logik simulieren, um zu verifizieren, ob myPNOZ wie gewünscht reagiert. Und dank unserer zwölf Erweiterungsmodule kann das Ganze auch individualisiert werden. Ach ja, bestellen kann er dann auch gleich, alles in einem Tool. Herr Rotzinger, der besondere Clou soll die neuartige interne Logik des Produktes sein. Können Sie mir das als Experte für die Steuerungstechnik die Funktion dieses ‚Clou‘ erklären? Florian Rotzinger: Der myPNOZ Creator stellt den Nutzern die Funktionen Logik-Editor, Hardware-Ansicht mit Editor, Simulation und Dokumentation zur Verfügung. In unserem Creator kann der Kunde aus einer Vielzahl an Möglichkeiten seine bedarfsgerechte Lösung zusammenstellen. Der Clou für ihn: Er kann sein maßgeschneidertes Produkt ohne jedwede Software-Kenntnisse für die Programmierung oder Erstellung generieren. Der Anwender wählt seine Sicherheitsfunktionen und die dazu passenden Verknüpfungen, der Creator wählt die 12 INDUSTRIELLE AUTOMATION 02/2021 www.industrielle-automation.net

ideale Hardware. Die Logik der Verknüpfung der Sicherheitsfunktionen ist über die Steckreihenfolge definiert. Das übernimmt der Creator: myPNOZ verfügt also über eine interne Sicherheitslogik, die sich aus dem Aufbau des Systems ergibt. Dann ist myPNOZ weit mehr als ein „klassisches“ Sicherheitsschaltgerät? Florian Rotzinger: Wir haben Bewährtes mit innovativen Features zusammengebracht: Das myPNOZ ist das Resultat des gesammelten Sicherheits-Know-hows der vergangenen Jahrzehnte. Bewährte Eigenschaften unserer PNOZ-Sicherheitsschaltgeräte wie Zuverlässigkeit, Einfachheit und komfortable Bedienung bei Installation und Wartung sowie Diagnosehaben wir mitgenommen beziehungsweise optimiert. Hardware-seitig besteht myPNOZ aus einem Kopfmodul mit ansteck baren Erweiterungsmodulen, wobei das Kopfmodul die Spannungsversorgung übernimmt und bereits eine übergeordnete Sicherheitsfunktion mitbringt. Wen haben Sie mit Blick auf die Anwendung besonders im Fokus? Harald Wessels: Wir haben ganz allgemein die Automatisierung im Maschinen-und Anlagenbau im Fokus, wobei das Sicherheitsschaltgerät in vielfältigen Branchen einsetzbar ist. Wie zum Beispiel in der Holzbearbeitung. Wer Sicherheitsapplikationen im einfachen bis mittleren Komplexitätsbereich umsetzen möchte, der profitiert insbesondere. Genauso auch, wenn Anwender zwei bis 16 sichere Sicherheitsfunktionen abdecken möchten und auf den Einsatz von Engineering- Software verzichtet werden soll. Vielen Dank für das Gespräch! Bilder: Pilz www.pilz.com „MY PNOZ“ AUF DEN PUNKT GEBRACHT Kunden eröffnet das modular aufgebaute Sicherheitsschaltgerät myPNOZ vielfältige Möglichkeiten, maßgeschneiderte Lösungen ab Losgröße 1 zu realisieren. Dabei bleiben die grundlegenden Eigenschaften eines PNOZ, nämlich Sicherheit, Einfachheit, bequeme Bedienung bei der Installation und Wartung sowie einfache und schnelle Diagnose erhalten. Diese Eigenschaften machen es Kunden leicht, von einer bestehenden Schaltgerätelösung auf myPNOZ umzusteigen. Der individuelle „Pay-what-you-need“-Ansatz von myPNOZ gewährleistet ein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis und macht das Sicherheitsschaltgerät sowohl gegenüber konventionellen Sicherheitsrelais als auch mit Blick auf die Angebote des Marktes attraktiv.

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