Aufrufe
vor 3 Wochen

INDUSTRIELLE AUTOMATION 6/2019

  • Text
  • Industrielle
  • Automation
INDUSTRIELLE AUTOMATION 6/2019

SZENE I KOMMENTAR

SZENE I KOMMENTAR Digitalisierung: Der Mehrwert entscheidet Karsten Just ist Chief Marketing Officer bei Baumer in Frauenfeld, Schweiz 10 INDUSTRIELLE AUTOMATION 6/2019

KOMMENTAR I SZENE Der Digitalisierungsboom drängt den Blick für das Wesentliche zu oft in den Hintergrund. Denn Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern muss Anwendern einen konkreten Nutzen bringen, fordert Karsten Just, CMO beim Schweizer Sensorspezialisten Baumer. Überall wird digitalisiert, was das Zeug hält. Auch die Hersteller von Sensoren sind aktiv. Wo früher analoge Schnittstellen Messwerte in Strom oder Spannung ausgaben, sorgen heute IO-Link oder Ethernet für schnelle und sichere Verbindung. Und rund um die Sensoren hat sich ein bunter Strauß an Connectivity-Produkten etabliert, vom Ethernet-Kabel bis zum IO-Link-Master. Das ist alles schön und gut. Aber nicht ausreichend. Der Digitalisierungsboom hat mitunter den Blick für das Wesentliche getrübt, scheint mir. Das Wesentliche beim Sensor ist seine Primärfunktion: das möglichst genaue Messen von Drehzahl, Druck, Distanz und vielem mehr. Und noch wichtiger: Der Sensor muss dem Anwender einen Mehrwert bieten, erst recht, wenn er digital angebunden wird. Was bietet reale Mehrwerte? Einfach analog durch digital zu ersetzen, ist keine ausreichende Motivation Aus Sicht von Baumer sind es drei Aspekte von Digitalisierung, die dem Anwender einen Mehrwert bieten: n Digitale Zusatzdaten: Ein Anspruch von Digitalisierung ist es, möglichst viele Daten und Informationen im Sensor selbst zu gewinnen, anstatt nur einen Messwert auszugeben, der in der Steuerung interpretiert wird. So liefert der induktive Sensor Alphaprox mit IO-Link nebst mikrometergenauen Abstandswerten auch Frequenz- und Zählwerte. Diese zusätzlichen Messwerte ermöglichen z. B. eine flexible Steuerung von Vibrationsförderern bei gleichzeitiger Entlastung der Steuerung. Darüber hinaus kann der Sensor Diagnosedaten ausgeben, etwa seine Gerätetemperatur. Mit der Digitalisierung bekommen Sensoren auch ein Gedächtnis. Früher löste eine Messung einen Vorgang aus und schon war der Messwert wieder vergessen. Heute erlaubt die Aufzeichnung der Messhistorie Anwendungen wie Condition Monitoring, insbesondere, wenn weitere Daten wie Umgebungsparameter mit genutzt werden. n Digitale Bedienung und Parametrierung: Früher war die Verbindung des Sensors zur Steuerung eine Einbahnstraße. Heute kann der Anwender aus der Ferne auf den Sensor zugreifen und diesen flexibel parametrieren. Zum Beispiel lässt sich die Schallkeule unseres Ultraschallsensors UR18 zur Füllstandsmessung auf die Öffnung des Gefäßes einstellen. Wenn nötig kann man die Schallkeule sogar bei Rezeptwechsel für Gefäße unterschiedlichen Durchmessers aufs Neue anpassen. Damit wird Losgröße 1 – eines der Versprechen von Industrie 4.0 – endlich greifbar. n Digitale Connectivity: Die hochautomatisierte Fabrik braucht als Sinnesorgane unzählige vernetzte smarte Sensoren und Connectivity-Geräte wie IO-Link-Master. Hier bringt die Digitalisierung eine höhere Genauigkeit, weil bei der Datenübertragung keine Wandlungsverluste auftreten, und eine höhere Robustheit etwa gegen elektromagnetische Störungen. Gerade bei vernetzten, sich gegenseitig beeinflus­ senden Sensoren ist die Genauigkeit jedes einzelnen Sensors unerlässlich. Baumer bietet seine Sensoren mit einer Vielzahl von Connectivity-Optionen an wie etwa den Drehgeber EAL580 mit Profinet oder die LXG-80 Kameras mit GigE Vision konformer Schnittstelle und natürlich IO-Link-Sensoren. Digitalisierung ist auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit Die primäre Funktion des Sensors aber bleibt bestehen. Was aus einer digitalen Schnittstelle herauskommt ist eben nur so gut wie der Messwertaufnehmer. Wir digitalisieren nicht, weil es modern ist und es alle tun, sondern weil wir unseren Kunden einen echten Mehrwert verschaffen wollen. Dazu gehört auch, dass wir die Bedarfe und Wünsche unserer Kunden kritisch hinterfragen. Kunden kommen zu uns und sagen: „Ich brauche einen Sensor mit IO-Link.“ Den können wir natürlich liefern. Dennoch fragen wir: „Welche Information brauchen Sie?“ Das ist nicht nur sinnvoll, wenn es um die Funktionalität geht. Es ist auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit, denn Digitalisierung kostet auch Geld. Einfach analog durch digital zu ersetzen, ist keine ausreichende Motivation. Digitalisierung ist dann sinnvoll, wenn sie Herausforderungen bewältigt, die der Anwender bisher nicht wirtschaftlich lösen konnte oder einen Mehrwert darüber hinaus bietet. Und genau dabei unterstützt Baumer seine Kunden. Bilder: Schmuckbild Fotolia, Porträt Baumer www.baumer.com MUTING OHNE MUTINGSENSOREN – MIT SMART PROCESS GATING MLC 530 SPG, Sicherheits-Lichtvorhang www.leuze.de SPS 2019, Halle 7A, Stand 230

AUSGABE