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Industrielle Automation 6/2017

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Industrielle Automation 6/2017

KOMPONENTEN UND SOFTWARE

KOMPONENTEN UND SOFTWARE „Nervenbahnen“, die Industrie 4.0 erst möglich machen Schnelle und robuste Industrie-Datenkabel halten widrigen Umgebungsbedingungen stand Mit der Übernahme von Ceam Cavi Speciali, eines italienischen Hersteller von Datenleitungen für industrielles Ethernet und Feldbus, stärkt die Lapp Gruppe ihre Position im wachsenden Markt für Industrie-Datenkabel. Im Portfolio enthalten sind Leitungen mit hohen Datenübertragungsraten, die Langlebigkeit garantieren und für enge Biegeradien ausgelegt sind. Industrie 4.0 macht auch vor Kabeln und Leitungen nicht halt. Besonders die Anforderungen an Datenleitungen sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen und damit auch die Anforderungen an die Hersteller. Die Lapp Gruppe war hier immer schon gut aufgestellt mit ihren Unitronic- und Etherline-Leitungen für industrielles Ethernet und Feldbusse. Die kommen aus Italien: von Ceam Cavi Speciali. In Monselice bei Padua entwickeln und fertigen 110 Mitarbeiter für Lapp Leitungen des Unitronic und Etherline-Portfolios. Ceam-Leitungen gelten als zuverlässig bei den Datenübertragungseigenschaften und der Langlebigkeit – nicht zuletzt dank eines hochautomatisierten Herstellungsprozesses und vielen Jahren Erfahrung. Aus der Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen ist im Oktober 2016 eine Ehe geworden: Lapp hat Ceam übernommen. Damit holt sich die Lapp Gruppe Kompetenz bei der Entwicklung und Herstellung von Industrie-Datenkabeln ins eigene Haus. „Das profitable Geschäft von Ceam ist ein Schlüsselbau- Bernd Müller, freier Journalist, Bonn stein in der Wachstumsstrategie der Lapp Gruppe“ sagt Georg Stawowy, Vorstand Technik und Innovation der Lapp Holding. Den Anforderungen stets eine Nasenspitze voraus Für die bisherigen Ceam-Kunden soll sich durch den Eigentümerwechsel nichts ändern. Sie profitieren von der zusätzlichen Expertise bei Datenleitungen aus Italien, weil das Unternehmen ihre Anforderungen schneller in neue leistungsfähige Produkte umsetzen kann. Das ist besonders wichtig im sich schnell entwickelnden Markt für Netz- und Datentechnik, der die Basis für die rasante Entwicklung in der Automatisierungstechnik und bei Industrie 4.0 ist, etwa durch die Vernetzung der Maschinen und die Zunahme der Sensorik. So übernehmen Roboter immer mehr Aufgaben in Kooperation mit dem Menschen – dazu müssen sie sehen und fühlen können, etwa mit Kameras für die Qualitätsinspektion oder taktiler „Haut“, um Kollisionen zu vermeiden. Kabel dürfen da nicht zum Engpass werden, sie sind die „Nervenbahnen“, die Industrie 4.0 erst möglich machen. „Bei Lapp haben wir den Anspruch, den wachsenden Anforderungen stets eine Nasenspitze voraus zu sein“, so Stawowy. Eine Maßnahme sind Leitungen mit immer höheren Datenübertragungsraten. Ein Beispiel ist die erste torsionsfähige und Profinet-konforme Cat.7- Leitung der Welt. Sie heißt Etherline Torsion Cat.7. Es gibt auch eine Variante für die Installation in Schaltschränken, in denen es eng zugeht. Diese heißt Etherline Flex Cat.7. Langlebigkeit als Grundvoraussetzung Doch Geschwindigkeit ist nur die halbe Miete, es gehört immer auch die Langlebigkeit dazu. Das erwarten die Kunden, die vorwiegend aus Branchen wie dem Maschinenbau, der Robotik, der Bahntechnik oder der Lebensmittelindustrie kommen. Die Standards, die man z. B. von Ethernet-Leitungen aus dem Büro kennt, reichen in der Fabrik nicht aus – dort kommen sie mit aggressiven Ölen oder Reinigungsmitteln in Berührung, es können sehr hohe oder tiefe Temperaturen herrschen, oder die Leitungen werden millionenfach hin und her bewegt. Robuste Kabel sind zudem einfacher zu verlegen, weil für sie keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen notwendig sind wie ein 84 INDUSTRIELLE AUTOMATION 6/2017

KOMPONENTEN UND SOFTWARE Kabelkanal oder zusätzliche Maßnahmen, um das Kabel unter dem Boden zu verlegen. Kunden erwarten, dass Produkte auch nach zehn Jahren noch einwandfrei funktionieren, und somit im Falle der oben genannten Datenkabel auch dann noch die Cat.7-Spezifikation erfüllen. Weniger robuste Leitungen können dagegen mit der Zeit ihre Eigenschaften verlieren. Es muss dann nicht unbedingt zu Kurzschlüssen kommen, aber möglicherweise bilden sich feine Risse in der Isolation oder in der Schirmung, was zu Störungen bei der Übertragung und damit zu einem Absinken der Datenrate führt. Dünne Leitungen für enge Biegeradien Um das zu verhindern, ist ein lückenloses Qualitätsmanagement notwendig. Im Falle Ceam bedeutet das, dass in jedem Schritt der Kabelherstellung Qualitätstests ausgeführt werden – entweder automatisch über Sensoren oder manuell durch die Mitarbeiter. Die Daten aus den Qualitätsprüfungen werden im Computer gesammelt und lassen sich jederzeit nachvollziehen. Geschwindigkeit und Robustheit – auch das reicht noch nicht. Weil Roboter immer kompakter werden und Leitungen zunehmend im Roboter-Arm und damit in engen Biegeradien verlegt werden, müssen auch die Verbindungssysteme kompakter sein. Die neuen Etherline-Varianten sind deswegen besonders dünn. Dabei hilft z. B. der Prozess der Skin-Foam-Skin-Extrusion bei der Aderisolation, den Ceam anwendet. Dabei wird die Aderisolation in einem Schritt von drei Exrudern in drei Schichten aufgebracht: Die Extruder 1 und 3 erzeugen innen an der Litze sowie außen auf dem Isolator eine glatte Haut, die dazwischenliegende Schicht wird im Moment des Extrudierens mit Stickstoff aufgeschäumt. Da das Stickstoffgas ein besserer Isolator als Kunststoff ist, werden einerseits hohe Übertragungsgeschwindigkeiten auch über größere Distanzen möglich. Andererseits kann die Isolation dünner ausfallen, was den Durchmesser der Leitung reduziert. Dazu ist es essenziell, die richtige Größe und die gleichmäßige Verteilung der Stickstoffblasen zu erzielen. Und passend zu den dünnen Leitungen hat Lapp neue kompakte und modulare Steckverbindungssysteme im Programm. 01 Im Skin-Foam-Skin-Prozess bringen drei Extruder die Aderisolation auf, die so besonders dünn ausfallen kann 02 Ceam entwickelt und fertigt in Italien industrielle Datenleitungen in höchster Qualität 03 Beispiel für eine Skin-Foam-Skin-Extrusion Kompetenzzentrum für Datenleitungen Insofern ergänzen sich die Expertisen von Lapp als Hersteller von Verbindungssystemen und Ceam als Spezialist für Hochgeschwindigkeits-Datenleitungen. Die neuen Etherline Cat.7-Leitungen sind ein gutes Beispiel für die langjährige fruchtbare Zusammenarbeit. Die Entwicklung dieser Leitungen hat bereits vor der Übernahme stattgefunden. In Zukunft will Lapp Ceam als Kompetenzzentrum für Datenleitungen der Lapp Gruppe auf- und für Etherline-Lösungen ausbauen. Überschneidungen oder gar Konkurrenz innerhalb der Gruppe werde es nicht geben, versichert Georg Stawowy, da beide Unternehmen schon in der Vergangenheit eng kooperiert haben. „Im Gegenteil: Die Erfahrungen von Lapp und Ceam ergänzen sich sehr gut, dadurch ergeben sich für beide Seiten neue Perspektiven.“ www.lappkabel.de INDUSTRIELLE AUTOMATION 6/2017 85

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