Aufrufe
vor 1 Jahr

Industrielle Automation 5/2017

  • Text
  • Industrielle
  • Automation
Industrielle Automation 5/2017

„INDUSTRIE 4.0 –

„INDUSTRIE 4.0 – LASST UNS DAS WORT MIT INHALT FÜLLEN“ Industrie 4.0 – das Wort ist heute in aller Munde. Dahinter verbergen sich vielfältige weitere Begriffe und Bilder. Modularisierung, Diagnose, Vernetzung … Wir sprachen mit einem Mann, für den das nichts Neues ist. Jörg Krautter, Vice President Automation bei Murrelektronik. Als Experte für die dezentrale Installationstechnik ist das Unternehmen in der Welt der Leitungen & Steckverbinder, Feldbusprodukte und Energieversorgungslösungen unterwegs und lebt Verbindung auf allen Ebenen. VIDEO http://bit.ly/SOE17_Murr_v Gehen Sie mit auf eine spannende Reise in die Welt der Installationstechnik bei Murrelektronik in Oppenweiler Das Interview führte Martina Heimerl, stv. Chefredakteurin der Magazine DER KONSTRUKTEUR und DER BETRIEBSLEITER SUMMER OF ENGINEERING ZU GAST BEI MURRELEKTRONIK SUMMER OF ENGINEERING Jörg Krautter, Vice President Automation/Member of the Executive Board, Murrelektronik, Oppenweiler

WAS STECKT HINTER SUMMER OF ENGINEERING? Im Sommer 2017 gingen unsere Redakteure im zweiten Jahr auf multimediale Deutschland-Tour. Diesmal wollten wir mehr über Lösungen und Applikationen der industriellen Digitalisierung bzw. des industriellen Internet der Dinge (IIoT) erfahren. Eine Station dieser Roadshow führte uns zu Murrelektronik in Oppenweiler. Tauchen Sie mit uns ein in die Welt der Installationstechnik in der Industrie 4.0. SUMMER of ENGINEERING ist aber noch viel mehr: In unserem Blog und in unseren Social-Media-Kanälen berichten wir über Ideen, Realisierungen und Visionen von Industrie 4.0. Lassen Sie sich überraschen und inspirieren. Gerne dürfen Sie auch kommentieren oder uns einfach nur liken, teilen und empfehlen! www.summer-of-engineering.de SUMMERof 2017 ENGINEERING Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema Industrie 4.0 und wie definieren Sie Industrie 4.0 für sich? Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Thema Industrie 4.0 seit Anfang 2014. Bei bestimmten Dingen wartet man mal ab, aber bei diesem Thema war uns klar: Hier wollen wir gestalten! Wir sind verankert im ZVEI, der ja die Industrie-4.0-Plattform mitträgt. Außerdem engagieren wir uns in diversen Gremien und Forschungsgemeinschaften wie PNO, Automation ML und vielen mehr. Wir sind diejenigen, die mitgestalten, die aber nicht jedes Produkt, was sie auf dem Markt launchen, dem Modewort unterordnen. Unser Entwicklungsleiter hat Industrie 4.0 einmal folgendermaßen definiert: „Globale Verfügbarkeit und Transparenz aller Daten und Informationen zu jeder Zeit und an jedem Ort.“ Das ist Digitalisierung. Und diese Definition finde ich einfach nur gut, weil sie so simpel ist. Die Diskussion, was Industrie 4.0 eigentlich ist und was nicht, ist in den letzten Jahren deutlich vorangeschritten. Im Rahmen der ZVEI-Plattform haben wir genau definiert, was wir darunter verstehen – und auch was wir nicht darunter verstehen. Allerdings sind die weltweiten Strömungen und Definitionen bei weitem noch nicht harmonisiert und abgestimmt. Wenn man die verschiedenen Meinungen zu dem Thema Digitalisierung übereinanderlegt, ist das Bild im Moment verschwommen. Die Kunst ist es jetzt, die Meinungen so aufeinanderzulegen und zu verzahnen, dass es ein scharfes Bild gibt. Das Fundament, in Form von Standards, muss da sein, aber ganz wichtig ist es, das Thema nicht totzureden, sondern jetzt endlich mal etwas zu tun. Die Herausforderung ist und bleibt, beides zu vereinen: Standards schaffen, als Basis, um darauf aufbauen zu können und dann aktiv sein – machen! Welche Herausforderung sehen Sie konkret für Ihr Unternehmen? Die Industrie-4.0-Plattform hat zur HMI 2017 eine Kriterien- und Produkteigenschaftentabelle für eine Industrie-4.0-Komponente vorgestellt: Was muss solch eine Komponente alles können? Und wie muss sie strukturiert sein? Das ist für einen Geräte- und Systemhersteller wie die Murrelektronik natürlich schon ein Stück Basis. Jetzt das Richtige zur richtigen Zeit zu tun und dabei den Nerv der Bedürfnisse unserer Kunden zu treffen, das ist derzeit für uns die größte Herausforderung. Lebensmittel, Automobil, Logistik, allgemeiner Maschinenbau: Sie sind in vielen Branchen unterwegs. Spüren Sie branchenspezifische Unterschiede was den Umgang mit dem Thema Industrie 4.0 angeht? Das Thema Digitalisierung ist sehr wohl angekommen, in allen Branchen – das ist nicht das Thema. Viele der Kunden, mit denen ich gesprochen habe, haben ein eigenes Bild. Und es gibt natürlich auch große Industriezweige, die heute schon anfangen, das Ding für sich zu definieren, ohne sich Gedanken darum zu machen, ob es in das Bild von Industrie 4.0 von der ZVEI- Plattform passt. Den Kunden interessiert das Wort Industrie 4.0 nicht. Ich glaube auch, dass wir aufpassen müssen, dass wir das Wort jetzt nicht zu sehr abnutzen, dass es in zwei Jahren dann auf einmal einen negativen Charakter bekommt. Wir müssten viel mehr über das Thema Lösung sprechen als über die Methodik. Lasst uns doch das Wort mit Inhalt füllen, in Form von „was hat denn unser Kunde davon“. Denn das ist es, was interessiert: das Ergebnis. Im Endeffekt geht es nur um eins: Welchen Wettbewerbsvorteil erarbeite ich mir im Markt, was ist mein Kundennutzen, schneller, höher, weiter, Zeit- und Kostenoptimierung, … Und wie kann die Installations - technik hier helfen? Welche Rolle spielt sie in der Digitalisierung? Das Thema Installationstechnik ist ja etwas, das in einer frühen Phase ansteht, in der der Kunde viel Zeit, Geld und Platz aufwenden muss, um die Anlage aufzubauen. Je schneller und je fehler - freier die Elektroinstallation erfolgen kann, umso mehr Geld spart er. Das heißt: Rationalisie rung spielt hier eine große Rolle. Wenn ich jetzt in meinem Engineering-Prozess eine Anlage virtualisiere – wenn ich keinen Datenbruch mehr habe zwischen den Systemen – wenn ich alle INDUSTRIELLE AUTOMATION 5/2017 51

AUSGABE