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INDUSTRIELLE AUTOMATION 4/2020

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INDUSTRIELLE AUTOMATION 4/2020

KOMPONENTEN UND SOFTWARE

KOMPONENTEN UND SOFTWARE 01 In der neuen Produktionshalle lassen sich bis zu zwölf Maschinen gleichzeitig produzieren nun mit den elektromechanischen Bauteilen an der Drehmaschine verbunden. Der komplette Prozess dauerte etwa zwei Stunden. Dann ist es vollbracht: die Verbindung der Readychain mit der Spindeltrommel ist abgeschlossen. Dabei kombiniert die Maschine einen Mehrspindel-Drehautomaten mit der Swisstype-Technologie – und das mit einer Y-Achse auf jeder Spindellage. Flexibilität für Massenproduktion Immer in Bewegung Spezielle Energieführung sorgt für technische Revolution im Automatendrehen Die Anforderungen an Drehmaschinen sind heute anspruchsvoller denn je. Durchlaufzeiten und Rüstzeiten sollen auf ein Minimum reduziert werden und gleichzeitig muss die zunehmende Komplexität beherrschbar bleiben. Genau diese Aufgabe meistert eine neue Maschinengeneration von DMG Mori, in der Energieführungssysteme eine wesentliche Rolle spielen. Lesen Sie mehr. Jörg Ottersbach, Leiter Geschäftsbereich e-ketten bei der igus GmbH in Köln Nach rund zwei Jahren Entwicklungszeit präsentiert der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori einen neuen Mehrspindel-Drehautomaten vom Typ Multisprint. Ausgestattet wurde die Maschine mit einer Energieführung des Motion-Plastics-Spezialist Igus. Das 750 kg schwere und fast zwei Meter breite Energieketten-System wurde im gekippten Zustand in die Maschine integriert – eine absolute Neuerung in der Produktionstechnik bei der DMG-Mori-Tochter Gildemeister Italiana. Dabei wurde im ersten Schritt der Motor mit den Zwei-Hakenkränen ins Gehäuse gehoben. Dann fand die Montage der Readychain mit ihren acht Energieketten, 64 elektrischen Leitungen und 73 Schläuchen statt. Darüber hinaus besitzt die Anlage einen 1,8 m großen Körper für die Rotation. Aus diesem ragen wie Arme die sechs linearen Energieketten für den Antrieb der Spindeln. In den Ketten befinden sich für die Bewegung ausgelegten Chainflex-Leitungen mit passenden Industriesteckern. Diese werden Düsen in der Fluidtechnik, Implantate in der Dentaltechnik und Wellen für dem Automobilbau sind nur drei Beispiele für komplexe Bauteile, die auf den Hightech- Maschinen gefertigt werden können. Das Ergebnis ist eine Fertigungslösung für skalierbare Anforderungen vom Serienanlauf bis zur Serienfertigung komplexer Werkstücke. Die Kombination von drei Maschinentechniken ermöglicht es dem Anwender in seiner Produktion völlig neue Wege zu gehen: Er hat die größtmögliche Flexibilität für die Massenproduktion von Bauteilen bis zu einem Durchmesser von bis zu 50 mm. Das Herzstück der Maschine ist die Spindeltrommel mit sechs Spindeln zur gleich zeitigen Bearbeitung mehrerer Werkstücke. Die Hauptspindeln in der Trommel verfügen über einen Verfahrweg von bis zu 180 mm. Die Trommel bewegt die Werkstücke präzise und schnell zu den Werkzeugen. Um nach der Bearbeitung in den sechs Stationen wieder in die Ausgangsposition zu gelangen, ist eine Rück-Drehung der Trommel von 300° notwendig. Dafür benötigt die über drei tonnenschwere Einheit nur eine Sekunde. Durch die Trommel schieben sich die Stangen aus dem Lader in Position für die Bearbeitung. Wie hat DMG Mori es geschafft, die ver schiedenen Bewegungsarten mit dieser Geschwindigkeit und Präzision zu realisieren? Anspruch durch Präzision Im Sommer 2016 schrieb DMG Mori den Anforderungskatalog aus und der Kölner Kunststoffspezialist Igus erhielt den Auf- 34 INDUSTRIELLE AUTOMATION 04/2020 www.industrielle-automation.net

KOMPONENTEN UND SOFTWARE 02 Ein Blick in die Maschine zeigt das komplexe Energieführungssystem fertig montiert an die Spindeltrommel trag. Mirko Passerini, technischer Direktor am italienischen DMG Mori Standort Gildemeister Italiana S.p.A. und verantwortlich für die Entwicklung und die Produktion der Multisprint, erklärt die Entscheidung für Igus. „Das Vertrauen in die langjährigen Erfahrungen von Igus mit der Entwicklung von kundenspezifischen Energieführungen ist groß. Zudem das hohe Niveau an Testmöglichkeiten.“ Im Austausch der Experten entstand ein einzigartiges Energieführungssystem, das die Rotation der Trommel und die Linearbewegungen der Spindeltrommeln ermöglichte. Schließlich hängt das System aus Metallrahmen, Leitungen, Schläuchen und Ketten im Maschinenmittelteil an der sich aus zwei Rotationssystemen. Im äußeren System befinden sich die Schläuche, da sie einen etwas größeren Biegeradius benötigen, hier sind es 160 mm. Im inneren Kreis werden 24 Leitungen geführt – jeweils zwölf Geber- und zwölf Servoleitungen. Zu jeder der sechs Linearketten gehen damit zwei Geber- und zwei Servoleitungen. Eine der Leitungen liefert die Energie für die Linearbewegungen der Hauptspindeln in der Trommel und eine treibt den Spindelmotor an. 800 000 Testzyklen unter Realbedingungen Drei Monate hatten Igus Ingenieure Zeit, das System zu entwickeln. Bei der Entwicklung wurde viel Wert auf die Modularität der einzelnen Bauteile gelegt. Die Linearkettensysteme sind steckbar und die von Igus konzipierten Blechteile für die Befestigung an der Maschine sind aus mehreren Teilen fertigt. Für die Endmontage der Ketten mit den bereits vorkonfektionierten Leitungen und Schläuchen benötigen die Igus Fachleute ca. 2,5 Tage. Für eine schnelle Produktion ist es hilfreich, dass die Readychain zu 95 % aus direkt von Igus gefertigten oder beschafften Teilen besteht. „Vor der Auslieferung wurde das komplette System wochenlang intensiv getestet“, so Lukas Czaja, Leiter Branchenmanagement Werkzeugmaschinen bei Igus. iCreating Connectors MIXO ONE – Modulare Vielfalt mit nur einem Gehäuse Mit der neuen Gehäuseserie MIXO ONE werden die einzelnen Module der Baureihe MIXO zu komplett unabhängigen Steckverbindern. Dank der Vielzahl der verschiedenen Module bietet MIXO ONE die perfekte Lösung für nahezu jede Anwendung. So lassen sich Module für Signale bis 25 Pole, Ströme bis 100A, aber auch Datenschnittstellen wie RJ45 oder LWL einbauen - und das alles in nur einem Gehäuse! Die Kombination von drei Maschinentechniken erlaubt größtmögliche Flexibilität für die Massenproduktion permanent und schnell drehenden Trommel. „Die Statik der Metallkonstruktion war eine neue Herausforderung“, meint Volker Beißel. Er ist einer der zentralen Ansprechpartner aus dem Branchenmanagement für Werkzeugmaschinen von Igus und hat die Entwicklung der Readychain von Anfang an begleitet. „Nach jedem Entwicklungsschritt haben wir die Statik neu berechnet, um sicher zu gehen, dass die Metallkonstruktion sicher hält und nicht ermüdet.“ Um der Rotation der Trommel zu folgen, setzt Igus auf eine Drehenergieführung, die u. a. in Werkzeug- aber auch Baumaschinen zum Einsatz kommt. Die Standard-Drehmodule bestehen aus zwei kreisförmigen Führungselementen. Ein Teil der Führungsrinne wird am statischen Teil der Anlage befestigt und der andere Teil am drehenden. Der rückwärtige Biegeradius ermöglicht die Bewegung der Energieketten in zwei Richtungen. Drehwinkel bis zu 540° in einer Ebene können hier realisiert werden. Die Trommel in der Multisprint dreht sich in einem Bereich von 300° und besteht In der Igus Zentrale in Köln läuft das mit 3 800 m 2 größte Testlabor der Branche. Ein speziell entwickelter Teststand simuliert die Bewegungen des Multispindel-Drehautomaten. Neue Entwicklungen zahlen sich aus Die Multisprint verbindet heute die Produktivität einer Produktionsdrehmaschine mit der Präzision einer Automatendrehmaschine und der Komplexität einer Universaldrehmaschine. So kann die Anlage komplexe Dreh-Frästeile sowohl in der Stangen- als auch in der Futterbearbeitung herstellen. Im Juni 2018 lieferte das italienische Werk die erste Maschine dieser Art an einen Kunden in Polen. Heute laufen dutzende Multisprint u. a. in Deutschland, Italien, den USA und Spanien. Bilder: Igus www.igus.com ► Einzelmodule werden einfach in das Gehäuse geklickt, ein zusätzlicher Rahmen ist nicht nötig ► Leichtes Aluminiumgehäuse mit vernickelter Oberfläche und Edelstahlbügeln (IP65) ► 16 verschiedene Codiermöglichkeiten ► Auch in Kombination mit Schnellanschlusstechnik SQUICH ® verfügbar ILME – perfekt gesteckt ILME GmbH Max-Planck-Str. 12, 51674 Wiehl www.ilme.de

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