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Industrielle Automation 3/2017

Industrielle Automation 3/2017

App als Analysetool Wie

App als Analysetool Wie eine Vielzahl an Inhaltsstoffen auch ohne Hyperspektralkamera gemessen werden kann Nicht jedes Versprechen, das wir auf einer Etikettierung zum Beispiel auf Obst oder Gemüse finden, entspricht auch den Tatsachen. Doch wie kommt man der Wahrheit auf die Spur? Eine neue App für mobile Endgeräte soll künftig einen analytischen Blick auf die Oberfläche von Objekten erlauben und erkennen, welche Stoffe dort zu finden sind – es gibt viele Anwendungsmöglichkeiten. Die Äpfel sind mit „Bio“ etikettiert – doch ob sie wirklich ungespritzt sind, weiß der Kunde nicht. Und das Auto ist – wenn man den Angaben des Verkäufers Glauben schenkt – unfallfrei. In vielen Situationen muss man sich auf Aussagen verlassen, ohne diese überprüfen zu können. Mit der App ‚Hawk Spex mobile‘ des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg sollen Verbraucher künftig die Möglichkeit bekommen, solche Angaben zu überprüfen. Dazu öffnet man die App auf seinem Smartphone, richtet sie auf das zu prüfende Objekt – etwa den Apfel – und schon erhält man die gewünschte Information, beispielsweise auf dem Apfel Rückstände von Pestiziden zu finden sind. Zwar gibt es bereits Systeme, mit denen sich solche Messungen durchführen lassen. Allerdings muss der Nutzer hierfür üblicherweise zusätzliche Teile, zum Beispiel ein Prisma, vor die integrierte Kamera klemmen – was teuer und unpraktisch ist und zudem das Design des Smartphones stört. „Das Besondere an unserer App: Der Anwender braucht für die Messung nichts weiter als die Kamera, die ohnehin in seinem Smartphone integriert ist“, erklärt Prof. Udo Seiffert, Kompetenzfeldleiter am Fraunhofer IFF. Der Clou liegt im Display, nicht in der Kamera Doch wie haben die Forscher um den Projektleiter Dr. Andreas Herzog es geschafft, ohne ein Prisma auszukommen? Üblicherweise braucht man für solche Messungen eine spezielle Hyperspektralkamera: Sie justiert jeweils auf verschiedenfarbiges Licht und ermittelt, wie viel Licht dieser Farbe das Objekt zurückwirft. So erstellt sie einen gesamten spektralen Fingerabdruck des Gegenstands. Aus diesem können die Forscher über ein mathematisches Modell beinahe beliebige Informationen über das Objekt extrahieren, wie beispielsweise die Inhaltstoffe. „Da im Smartphone keine Hyperspektralkamera integriert ist, haben wir dieses Prinzip einfach umgedreht“, erläutert Seiffert. „Wir haben mit der Kamera einen breitbandigen dreikanaligen Sensor – also einen, der alle Wellenlängen misst – und beleuchten den Gegenstand mit Licht unterschiedlicher Farbe.“ Das heißt: Nicht die Kamera misst die Lichtintensität in den verschiedenen Farben, sondern das Display beleuchtet das Objekt nacheinander in Sekundenbruchteilen in einer Reihe von unterschiedlichen Farben. Wirft das Display also nur rotes Licht auf das Objekt, kann das Objekt auch nur rotes Licht reflektieren – und die Kamera nur rotes Licht messen. Intelligente Auswertealgorithmen sorgen dafür, dass die App mit der begrenzten Rechenleistung eines Smartphones auskommt und die eingeschränkten Leistungen von Kamera und Display kompensiert. Lernfähiges Anwendungsspektrum Die erste Laborversion der auch zum Patent angemeldeten App ist fertig. Bevor sie jedoch veröffentlicht werden kann, entwickeln die Forscher verschiedene erste Anwendungen. Denn um analysieren zu können, ob sich Pestizide im Apfel befinden, muss das System zunächst über Vergleichsmessungen angelernt werden. Etwa Ende 2017, hofft Seiffert, könnte die App Hawk Spex mobile auf den Markt kommen. Vergleichsmessungen sind allerdings nicht immer nötig. Denn bei einigen Fragen geht es nicht um die Angabe einzelner Inhaltstoffe, sondern nur um die Messung unterschiedlicher Verteilungen von Stoffen oder Materialien. Etwa beim Autokauf: Hier vergleicht die App, ob der Lack an allen Stellen exakt die gleiche Farbe hat – oder ob nachlackiert wurde. Prof. Dr.-Ing. Udo Seiffert ist Kompetenzfeldleiter am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg 74 INDUSTRIELLE AUTOMATION 3/2017

CUSTOMAXI- MIZED! Sensor? Gehäuse? Objektivhalter? Steckerausrichtung? Sie bestimmen! Die uEye LE USB 3.1 Gen 1 Industriekameras BOARDLEVEL VERSIONEN EINPLATINEN KAMERA OPTION: STECKER- AUSRICHTUNG MIC-OPTION 01 Per Smartphone eine Zitrone auf Pestizid-Rückstände untersuchen – das ist bald möglich USB TYPE-C USB POWER DELIVERY OPTION: OB- JEKTIVHALTER SENSOREN- VIELFALT Blick in die Zukunft Es sind so zahlreiche Einsatzbereiche denkbar und das Fraunhofer IFF erwartet rege Resonanz. Daher setzen die Forscher auf einen Ansatz, der dem Online-Lexikon Wikipedia nachempfunden ist. „Wenn die App Ende 2017 auf den Markt kommt, können engagierte Nutzer zum großen Ganzen beitragen und neue Anwendungen, zum Beispiel die Beurteilung der Belastung von Salatköpfen mit Pflanzenschutzmitteln, kreieren“, sagt Seiffert. Das heißt: Sie vermessen etwa behandelte und unbehandelte Salatköpfe verschiedener Sorten mit der App und schicken die Daten zum Fraunhofer IFF. Forscher prüfen die Messungen und schalten die Anwendung für alle Nutzer frei. Auch im kommerziellen Bereich ist die App von großem Interesse. So lassen sich mit ihr Bereiche erschließen, bei denen sich ein Präzisionsmessgerät nicht lohnen würde. Beispiele sind die Qualitätskontrolle von Lebensmitteln, die Wirksamkeit von Kosmetikprodukten oder auch die Landwirtschaft: Der Landwirt kann so zum Beispiel auf einfachem Weg Aussagen dazu erhalten, ob seine Pflanzen ausreichend mit Nährstoffen versorgt sind oder ob er zum Dünger greifen sollte. Fotos: Fraunhofer IFF/Viktoria Kühne www.iff.fraunhofer.de 02 Hier vergleicht die App, ob der Lack an allen Stellen exakt die gleiche Farbe hat oder ob nachlackiert wurde www.ids-imaging.de/usb3.1

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