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INDUSTRIELLE AUTOMATION 2/2020

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INDUSTRIELLE AUTOMATION 2/2020

Die ersten

Die ersten Fernabfragemodule, die in den Neunzigerjahren verbaut wurden, waren im Funktionsumfang begrenzt und stellenweise liefen die Kosten aus dem Ruder, weil die GSM-basierte Lösung fortwährend SMS-sendete – und jede einzelne Nachricht berechnete, selbst wenn kein Netz vorhanden war. Zudem war die Verbindungsqualität oft nicht zufriedenstellend. Cloud überzeugt durch Nutzerfreundlichkeit Smart gelöst Cloudbasierte Maschinenüberwachung mit Fernabfragefunktion hilft bei der Lokalisierung von Fehlerquellen Um seine Kunden und Anwender im Störungsfall schnell bei der Fehlersuche unterstützen zu können, suchte ein Hersteller von Sondermaschinen nach einer cloudbasierten Lösung, die einen weltweiten Fernzugriff mithilfe eines PCs oder Smartphones erlaubt. Nach einem Auswahlverfahren entschied man sich für die Cloud-Variante eines Automatisierungsunternehmens: eine Fernwartungslösung, mit der sich Fehlerquellen lokalisieren und produktionsrelevante Parameter abfragen lassen. Aus diesem Grund suchte Velco im Jahr 2018 nach einer zeitgemäßen Fernwartungs-Lösung, über die sich nicht nur Maschinendaten einsehen lassen, sondern die auch einen Zugriff auf die Maschinen erlaubt. „Die großen Cloud-Anbieter haben wir ausgeschlossen, weil sie keine industrierelevanten Angebote haben. Die Lösung muss schließlich auch in extremen Umgebungen wie Stahlwerken funktionieren“, beschreibt Velco-Elektroingenieur Michael Sundmacher die Grundanforderungen. Nach einem Auswahlverfahren konnte am Ende Turck-Cloud-Solutions mit seiner Nutzerfreundlichkeit überzeugen: „An der Turck-Cloud hat uns überzeugt, dass man auf einer Seite im Browser den Überblick über alle Maschinen hat und einfach draufklicken oder zwischen den Maschinen wechseln kann. Niemand muss sich Adressen merken, es funktioniert auch vom Smartphone und man hat direkt alle Daten jeder Maschine im Blick. Das bestätigen auch unsere Anwender und so haben wir uns für die Lösung von Turck entschieden“, begründet Sundmacher und Küster ergänzt: „Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass wir direkt mit einem PC oder Smartphone auf die Steuerung der Maschine zugreifen und diese über Modbus steuern könnten.“ „Click-and-happy“-Dashboard Druckkessel-, Rotorspritzmaschinen und Einblasanlagen des Sondermaschinenherstellers Velco werden weltweit in Hochofenbetrieben, Stahlwerken, Gießereien und in der Feuerfestindustrie eingesetzt. Die Betreiber aus den unterschiedlichen Bereichen spritzen mit den Maschinen z. B. ihre Hochöfen, Pfannen oder Rinnen mit Feuerfestbeton aus. Die Schicht aus Spezialbetonen wird durch die Schlacken und die Hitze angegriffen und muss regelmäßig erneuert werden. Stahlwerks- und Eisenhüttenbetreiber schaffen sich hierfür eine Feuerfestbetonspritzmaschine an oder vergeben die Feuerfestreparaturen extern an Feuerfestmaterialhersteller bzw. -verarbeiter. Doch die Maschinen der Feuerfestdienstleister stehen nicht nur in Duisburg oder Salzgitter, sondern zum Beispiel auch in Abu Dhabi oder Indien. „Der Kunde möchte wissen: Läuft die Maschine oder nicht und ist sie in Ordnung oder nicht? Er wünscht Unterstützung bei der Fernwartung“, erklärt Klaus Küster, Abteilungsleiter der Elektrotechnik bei Velco. Dies sei die ursprüngliche Zielsetzung gewesen. Firmen investierten lange viel Arbeitszeit und Reisekosten, um einen Service-Techniker um die halbe Welt fliegen zu lassen, der vor Ort dann teilweise feststellen musste, dass der Betreiber lediglich kleinere Fehler nicht erkennt und beheben kann. Solche zeitaufwendigen Service-Dienstreisen, z. B. wegen irrtümlich geschlossener Zuwasserleitungen oder gedrückter Not- Halt-Taster, sollte das Fernabfragemodul ausschließen und zudem auch bei der Fehlersuche von realen Defekten helfen. Die Mitarbeiter rufen das Dashboard der Velco-Cloud auf und sehen in der Navigation ihre Maschinen aufgelistet. Eine Karte in Google-Maps-Optik zeigt an, wo die einzelnen Maschinen stehen. Klickt der Mitarbeiter auf einen der Einträge in der Liste, stellt das Dashboard übersichtlich alle relevanten Daten dar. Das sind neben etlichen analogen Werten wie Wasserdruck oder Materialfüllstand auch digitale Anzeigen wie Betriebszustand oder der Status des Not-Halt-Tasters. Darüber hinaus sieht der Nutzer einen Betriebsstundenzähler und andere numerische Anzeigen. Das Dashboard kann sich jeder Nutzer einfach selbst zusammenstellen. Auch Alarmmel- Sebastian Lindemann, Vertriebs spezialist bei der Hans Turck GmbH & Co. KG in Mülheim an der Ruhr 36 INDUSTRIELLE AUTOMATION 02/2020 www.industrielle-automation.net

SPECIAL I DIGITALE TRANSFORMATION dungen per SMS oder E-Mail für unterschiedliche Nutzer kann der Anwender selbst anlegen. Darüber hinaus können die Anwender ihre Maschinen über das Dashboard fernsteuern, falls dies im Zuge einer Fehlersuche notwendig wird. Die Support-Techniker sehen vom Schreibtisch aus, ob sich Fehler wie „fehlende Wasserzufuhr“ oder „Not-Halt gedrückt“ ausschließen lassen. Ein überzeugender Nebeneffekt der Cloud: Sie schafft Transparenz. Gerade Feuerfestbeton-Anwender möchten sehen, wie lange eine Maschine im Einsatz war. Je nach Vertrag sind Kunden verpflichtet, den Spezial-Beton eines bestimmten Herstellers zu beziehen. Stimmen die Verbrauchswerte für den Beton nicht mit den Betriebsstunden der Maschine überein, hat der Endkunde vermutlich mit Fremdmaterial gearbeitet. In solchen Fällen können die Verleiher in Zukunft reagieren. Messwertaufzeichnung erleichtert Fehlersuche Da Fehler häufig sporadisch und unsystematisch auftreten können, kann eine Fehlersuche schnell viel Zeit in Anspruch nehmen. In solchen Fällen zeichnet der Support zukünftig relevante Messwerte in einem definierten Zeitraum auf. Das System gibt die Werte per CSV-Datei aus; so kann der Velco-Support zukünftig einfacher erkennen, wo die Ursachen für Fehler liegen. Auch Algorithmen zur vorausschauenden Wartung könnten später über diese Schnittstelle genutzt werden. Hier zeigt sich, wie eng die aktuellen Automationstrends verknüpft sind. Darüber hinaus erleichtern Cloud-Lösungen Condition Monitoring und Predictive Maintenance, sind aber keine notwendige Bedingung dafür. „Auch als Traditionsunternehmen mit ausgereifter Technik müssen wir uns den innovativen Begebenheiten des Weltmarktes gerade in Bezug auf Maschinenkommunikationstechnik stellen“ Im Zuge der Fernwartungsintegration wünschen sich einige Anwender auch eine Velco- Cloud für Maschinen anderer Hersteller. Dazu setzt Turck ein web-programmierbares Edge-Gateway ein, das sich aufgrund der Vielzahl an Schnittstellen in bestehende Anlagen mit Steuerungen diverser Hersteller integrieren lässt und die Maschinendaten in die Cloud überträgt. Kunden können so alle Maschinen im Cloud-Dashboard sehen, überwachen und fernsteuern. Individuelle Nutzerrollen und -rechte vergeben Beim Stichwort fernsteuern sehen manche Nutzer allerdings auch Risiken. Aus diesem Grund hat Turck der Datensicherheit von Beginn an einen hohen Stellenwert eingeräumt: Über ein Rollen- und Rechtemanagement kann der Besitzer der Maschine bestimmen, welcher Nutzer sich 01 Die verstärkte Antenne rechts am Schaltschrank stellt eine weltweite Erreichbarkeit der Maschine sicher 02 Michael Sundmacher (l.) und Klaus Küster haben viele Cloud-Lösungen geprüft, bevor sie sich für Turck entschieden haben mit welchen Befugnissen in der Cloud bewegen darf. Von reinen Lese rechten über Schreibrechte bis hin zu Administratorrechten sind unterschiedliche Stufen individuell für jede Maschine und jeden Nutzer möglich. Darüber hinaus ist die Kommunikation zwischen dem Cloud- Gateway vom Typ TCG20 sowie dem Cloud-Server über das proprietäre Cloud- Protokoll Kolibri verschlüsselt, das den jüngsten Standard für Datentransport im Web erfüllt (TLS 1.3, AES256). Trotz Verschlüsselung erlauben IT-Verantwortliche selten externen Zugang zum Firmennetzwerk. Mit der Turck-Lösung ist das kein Problem, da das Gateway die Verbindung zur Cloud auch über das Mobilfunknetz herstellen kann. Damit sind die Maschinen immer mobil und weltweit erreichbar. „Wir setzen heute länderspezifische SIM-Karten ein und das funktioniert“, erklärt Sundmacher. Darüber hinaus ist das Cloud-Gateway auch mit WLAN-Schnittstelle sowie als flexibel einsetzbares Kombigerät mit WLAN und Mobilfunk verfügbar. Bilder: Velco www.turck.de Alle 14 Tage NEU! Der E-Mail-Service für Konstrukteure, Entwickler, Systemintegratoren sowie Produktionsverantwortliche, die sich mit der Konstruktion und Entwicklung eigener Maschinen und Anlagen befassen. Aktuelle Nachrichten rund um neueste Entwicklungen, Trends und Veranstaltungen aus dem gesamten Bereich der Mess- und Automatisierungstechnik. NEW NEW SLETTER SLETTER Jetzt kostenlos anmelden! http://bit.ly/VFV_Newsletter www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 02/2020 37 INA_EA_Newsletter_1-4-quer_2020_01.indd 1 12.02.2020 09:54:57

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